Helen Sobiralski Photography

Liebe Leser,
jedes Jahr zeichnet der BFF Bund Freischaffender Foto-Designer die besten Abschlussarbeiten an deutschen Hochschulen in der Fotografie aus. Die hochdotierte Auszeichnung stellt einen der wichtigsten Förderpreise für junge Hochschulabsolventen dar. Der 24. BFF-Förderpreis ging in diesem Jahr an Helen Sobiralski und Ihre Arbeit Cockaignesque. Ihre Inszenierung erzählt von einer paradiesischen Welt, die von Opulenz, Überfluss und gleichzeitig Vergänglichkeit geprägt ist. Sie wurde zusätzlich als „Best of the Best“ mit dem Reinhart-Wolf-Preis ausgezeichnet.

Die gesamte Serie entstand im Studio der FH Dortmund unter Verwendung von broncolor Licht. Helen Sobiralski gab uns in einem Interview einen kleinen Einblick in Ihre Arbeit Cockaignesque und Ihre Erfahrungen mit broncolor Lichtequipment.

Hallo Helen,  wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Als Teenager stieß ich im Keller unseres Hauses auf das SW-Archiv meines Vaters und seine alte analoge Spiegelreflexkamera. Ich begann zu fotografieren und herumzuexperimentieren, verbrachte Ewigkeiten in der Dunkelkammer meiner Schule und kam von der Fotografie und ihren inszenatorischen Möglichkeiten seither nicht mehr los. Das Photodesign-Studium an der FH in Dortmund bot mir die Möglichkeit Inszenierung und Fotografie miteinander zu verbinden. (Ich arbeite sehr konzeptionell, die Fotografie ist wichtig, aber trotzdem nur ein Teil meines Arbeitsprozesses. Sie dient mir als Medium, um Wirklichkeit zu manipulieren, Bilder zu konstruieren.)

Deine Abschlussarbeit trägt den Titel „Cockaignesque“. Wie kam es zu dieser Bezeichnung?

Der uns als Schlaraffenland bekannte Ort trägt weltweit viele unterschiedliche Namen. Allerdings gibt es eine gemeinsam verwandte, sich immer wiederholende Bezeichnung, die in diesem Zusammenhang eine Erwähnung verdient. Die Wurzeln des französisch klingenden Wortes “Cocagne” konnten bisher anscheinend nicht eindeutig geklärt werden. Der Wortstamm taucht allerdings immer wieder in vielen unterschiedlichen Varianten auf.

Worin lag für dich das Besondere in der Thematik „Schlaraffenland“?

Meine Inszenierung erzählt Geschichten einer paradiesischen Welt, die von Opulenz, Überfluss und gleichzeitig von Vergänglichkeit geprägt ist. Cockaignesque verknüpft die Schlaraffenland-Motive mit anderen inhaltlichen und symbolischen Aspekten und orientiert sich an bildnerischen Elementen der barocken Stillleben-Malerei. Für den Betrachter wird so Raum für eigene Interpretationen und Übertragungen geschaffen.  Die schon seit dem Mittelalter als Gegenpol zum harten Arbeitsalltag existierende Traumvorstellung des Schlaraffenlandes lässt sich natürlich als Metapher bzw. als Spiegel auch auf die heutige Zeit übertragen, was auf mich einen großen Reiz ausübte.

Deine Arbeiten stellen eine gewisse Verbindung zu barocken Gemälden her. Auf was musstest du besonderen Wert legen um diese Verbindung herstellen zu können?

Eigentlich hatte ich die Verknüpfung beider Themen von Anfang an im Sinn. Opulenz, Dekadenz und damit einhergehend die Sterblichkeit spielten von der ersten Idee an eine große Rolle. Der barocke Vanitas-Gedanke geht damit konform, das Sujet bot mir somit viele Anknüpfungspunkte und Inspirationen. Die inszenatorische und fotografische Umsetzung eines solch komplexen Themas fand ich spannend und stellte hohe Anforderungen an die Umsetzung der Arbeit. Die Qualität des Lichtes und die daraus resultierende perfekte Lichtstimmung spielte natürlich eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig sind es aber auch viele andere Elemente wie das Setting, Styling oder die Ausstattung, die den Gesamteindruck ausmachen und alles zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Wie du gerade sagtest, spielte das Licht bei deiner Inszenierung eine besondere und entscheidende Rolle. Worauf kam es bei der Umsetzung besonders an?

Das Licht sollte weich und reduziert sein und einen malerischen Charakter besitzen. Es musste in der Lage sein die Brücke zwischen Malerei und Fotografie zu bilden. Große Szenerien mit mehreren Modellen mussten ebenso beleuchtet werden wie die kleineren Stilleben oder Portraits. Dabei musste ich mich auf eine gleichbleibende Lichtcharakteristik bei verschiedenen Beleuchtungssituationen verlassen können. Die Dunkelheit spielt in meiner Arbeit eine ebenso große Rolle wie das Licht selbst und erforderte ähnlich große Aufmerksamkeit. Beides bedingt einander – die Szenerien sind sehr düster, es gibt sehr große Schattenanteile, die trotzdem feine Details aufweisen sollten. Beim Eintesten reduzierte ich daher die Beleuchtung immer mehr bis ich letztendlich das gewünschte Ergebnis erzielte. Ich arbeite hauptsächlich mit indirektem Licht oder kombiniere in manchen Motiven sogar Blitz- und Kerzenlicht. Die Beleuchtung musste demnach in der Lage sein das Zusammenspiel zwischen Licht und Schatten perfekt und auf meine Vorstellung hin wiederzugeben.

Was genau hast du benutzt, um deine Arbeit zu fotografieren und welche Erfahrungen konntest du dabei machen?

Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit in den Studioräumen der FH Dortmund zu arbeiten. Das grundsätzliche Lichtkonzept sah ein weiches, indirektes Licht vor. Hierfür nutzte ich Pulso-Leuchtenköpfe in Verbindung mit Scoro Generatoren. Jeder Aufbau erforderte natürlich eine individuelle Lichtsetzung. Wir nutzten Lichtsegel, Softboxen und indirekt Pulso-Leuchten mit Normalreflektoren um gezielte Aufhellungen einzelner Bildpartien zu erzielen.

Vor allem die flexiblen broncolor-Systeme erleichterten die häufigen, mitunter sehr aufwändigen Umbauten, die die unterschiedlichen Kulissen erforderten. Die hohe Genauigkeit und Verlässlichkeit des Equipments ermöglichte eine maximale Konzentration auf die Inszenierung an sich.

Wo werden wir dich in Zukunft sehen?

Ich werde mich weiterhin auf inszenatorische, Mode- und Portraitfotografie konzentrieren. Meine Arbeit sehe ich dabei an der Schnittstelle zwischen künstlerischer und angewandter Fotografie. Zudem hoffe ich, dass ich auch weiterhin Zeit finden werde, freie Konzepte umzusetzen.

Wer mehr von Helen Sobiralski sehen möchte, schaut am besten in unserer Gallery of Excellence vorbei. Zudem kann sich gern auf der offiziellen Facebook-Fanpage umgesehen oder der Webseite www.helensobiralski.com ein Besuch abgestattet werden.

Vielen Dank an Helen Sobiralski für das nette Interview.

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